Shamonda-like-Virus: Vier tote Pferde, ein unbewiesener Verdacht

Shamonda-like-Virus: Vier tote Pferde, ein unbewiesener Verdacht

Das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) in Bern hat am 25. August 2026 bestätigt, was Schweizer Tierärzt:innen seit Ende Juli beschäftigt: Im Hirngewebe von Pferden mit neurologischen Ausfällen wurde ein Shamonda-ähnliches Virus nachgewiesen — SHAV-EU1, ein Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe. Es ist der erste dokumentierte Fall dieser Virusgruppe bei Pferden in Europa. Stand Anfang September: vier tote bzw. eingeschläferte Tiere, drei davon im Kanton Zürich, eines im Kanton Bern. Ein weiterer Fall folgte am 10. September in Rheinland-Pfalz.

Was das Virus nicht ist: neu. Das klassische Shamonda-Virus wurde 1965 erstmals aus Rindern in Nigeria isoliert, seither vereinzelt auch in Ost- und Südafrika sowie in Japan nachgewiesen. Zur selben Familie gehört das Schmallenberg-Virus, das 2011 durch Deutschland und die Niederlande fegte — auch damals bei Rindern und Schafen, auch damals über Gnitzen übertragen. SHAV-EU1 ist die europäische Variante, die im Sommer 2026 zuerst bei Rindern und Schafen in Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien, Österreich und den Niederlanden auftauchte. Fieber, Durchfall, Milchrückgang, bei tragenden Tieren Aborte und Missbildungen — das Rinderbild ist inzwischen gut beschrieben. Bei Pferden ist es das noch nicht.

Der Zeitstrahl

Datum Was passierte
Sommer 2026 SHAV-EU1 taucht bei Rindern und Schafen in mehreren europäischen Ländern auf
30. Juli / 4. August Zwei Pferde in ZH und BE mit neurologischen Symptomen
25. August IVI bestätigt Virusnachweis bei Pferden offiziell
28. August Bei weiteren Pferden kreuzreagierende Antikörper gefunden
2. September Zwischenstand: vier tote/eingeschläferte Pferde mit Virusnachweis
10. September Erster Fall in Rheinland-Pfalz

 

Was die betroffenen Pferde zeigten

Mattigkeit zuerst, dann wird es neurologisch: Koordinationsstörungen, auffällige Schläfrigkeit, Muskelzittern, Gleichgewichtsprobleme, erhöhte Berührungsempfindlichkeit. Manche Pferde erholten sich wieder. Bei anderen ging es so weit, dass eingeschläfert werden musste. Ein Muster nach Alter, Rasse oder Haltungsform lässt sich aus den bisherigen Fällen nicht ablesen — dafür ist die Fallzahl schlicht zu klein.


Der Haken: Nachweis heißt nicht Beweis

Das IVI und das Tierspital Zürich sagen es offen: Dass das Virus im Hirn eines kranken Pferdes gefunden wurde, beweist noch nicht, dass es die Erkrankung ausgelöst hat. Zwei Dinge machen die Sache kompliziert.

Erstens die Virämie. Bei einem der untersuchten Pferde fand sich Erbmaterial des Virus im Hirngewebe — aber weder im Blut noch im Nervenwasser. Orthobunyaviren sind oft nur kurz im Blut nachweisbar, das Zeitfenster für einen sauberen Nachweis ist eng.

Zweitens die Antikörper. Serologische Tests innerhalb der Simbu-Serogruppe kreuzreagieren mit Schmallenberg- und Akabane-Virus. Ein positiver Antikörperbefund zeigt also: Kontakt mit irgendeinem Virus aus dieser Familie. Nicht zwingend mit genau diesem. Die kreuzreagierenden Antikörper vom 28. August sind deshalb ein Hinweis, kein Beleg.

Kurz: Es ist eine plausible Erklärung für eine Häufung ungeklärter neurologischer Fälle. Bewiesen ist sie nicht.

Gnitzenschutz ist der einzige Hebel, den es aktuell gibt

Weder Impfstoff noch spezifische Therapie existieren. Übertragen wird über Gnitzen (Culicoides), also über Insektenstiche — nicht von Pferd zu Pferd. Das bedeutet: Der einzige Hebel ist Vektorschutz, und zwar derselbe, den man von Schmallenberg und der Blauzungenkrankheit kennt.

  • Repellents regelmäßig auftragen, nicht nur bei sichtbarem Insektendruck
  • Fliegendecken und -masken vor allem in der Dämmerung, wenn Gnitzen am aktivsten sind
  • Weidegang in den Hauptflugzeiten einschränken, wenn möglich
  • Stehendes Wasser in Stallnähe vermeiden, Tränken sauber halten

 

Beispiele aus der Praxis: Gnitz-Spray , Fliegendecke mit Halsteil, Fliegenmaske mit Ohren.

 

Nichts davon ist neu für dich, wenn du schon gegen Schmallenberg oder Sommerekzem vorsorgst. Es ist trotzdem der Punkt, der jetzt zählt.

 

 

Wann zum Tierarzt

Bei unerklärlicher Mattigkeit, Gangunsicherheit, Zittern oder anderen neurologischen Auffälligkeiten: sofort. Notiere vorher, seit wann die Symptome bestehen und wie sie sich verändert haben — das beschleunigt die Abklärung. Eine Ferndiagnose leistet dieser Text nicht und soll er auch nicht.

Drei Fragen, zum Shamonda Virus bei Pferden, die noch offen sind!

Ist das Shamonda Virus gefährlich für Menschen?

Das Shamonda-like-Virus ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht auf Menschen übertragbar.

Wie viele Pferde sind bisher wirklich betroffen?

Stand 18. September 2026: Bei vier Pferden in der Schweiz und einem Pferd in Rheinland-Pfalz wurde das Virus direkt im Gewebe nachgewiesen, weitere zeigten nur Antikörper ohne sichere Zuordnung. Die Zahl wird sich mit neuen Meldungen ändern — aktuelle Werte führen IVI und FLI in ihren Lageberichten Aktuelle Werte nachlesen

Ist mit weiteren Fällen zu rechnen?

Weitere Fälle sind wahrscheinlich, solange die Gnitzensaison andauert. Ob daraus ein eigenständiges Krankheitsbild oder eine seltene Nebendiagnose bei ungeklärter Neurologie wird, ist noch offen.

Quellen

Hinweis

Die Informationen auf dieser Website sind nur für die allgemeine Orientierung gedacht. Sie ersetzen keine professionelle tierärztliche Beratung. Wenn Sie die Ernährung Ihres Pferdes ändern wollen, fragen Sie Ihren Tierarzt. Wir übernehmen keine Verantwortung für gesundheitliche Probleme, die durch genannte Produkte entstehen.

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